Ein fairer Corona-Bonus statt Willkür

Während die Beschäftigten im Gesundheitswesen sich auf eine mögliche zweite Welle der Corona-Pandemie vorbereiten, warten sie noch immer auf die ihnen versprochene finanzielle Wertschätzung. „Beifall Klatschen allein reicht nicht“, erklärte die grüne Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Odenwald-Tauber, Charlotte Schneidewind-Hartnagel.

„Schon seit dem Frühjahr reden wir über einen Corona-Bonus für Menschen, die besonders viel für unsere Gesellschaft leisten – und zwar nicht nur in Corona-Zeiten“, ergänzte die Grünenpolitikerin. „Die, um die es hier geht, warten auf die Einlösung dieses Versprechens.“ Nur bei den Beschäftigten in der Altenpflege ist bisher tatsächlich ein solcher Bonus angekommen. Die Beschäftigten in den Krankenhäusern sind leer ausgegangen.

Von fairer Lösung kann keine Rede sein

Inzwischen einigten sich der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) darauf, insgesamt bis zu 100 Millionen Euro aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds bereitzustellen. „Das bedeutet bis zu 1000 Euro, allerdings nicht für alle Beschäftigten und zudem überwiegend aus den Beitragsmitteln der gesetzlich Krankenversicherten“, erläuterte Schneidewind-Hartnagel.

Schneidewind-Hartnagel kritisierte, dass das Geld den Plänen zufolge zunächst an Krankenhäuser fließen soll, die eine bestimmte Mindestzahl von bestätigten Covid-19-Fällen hatten. Die Zahl der Verdachtsfälle spielt demnach keine Rolle bei der Zuteilung. „Doch auch bei Verdachtsfällen besteht ein höherer Aufwand fürs Personal. Die jetzigen Pläne ignorieren diesen Umstand“, sagte sie.

Chance für Wertschätzung verpasst

Die Grüne monierte außerdem, dass die Träger der Krankenhäuser entscheiden sollen, wie hoch der Bonus ausfalle und wer ihn letztendlich bekomme. Sie bemängelte, dass die 100 Millionen Euro bei einem Bonus von 1.000 Euro gerade einmal 100.000 Pfleger*innen in Krankenhäusern zugutekämen.

„Dort arbeiten aber 440.000 Menschen. Wenn nicht einmal ein Viertel der Beschäftigten eine Prämie erhalten soll, ist das äußerst willkürlich“, sagte Schneidewind-Hartnagel. „Von einer fairen Corona-Prämie kann so kaum die Rede sein. Dafür bräuchte es eine steuerfinanzierte Lösung mit gleichen Prämien für alle. Die Bundesregierung hat wieder eine Chance verpasst, den Menschen im Gesundheitswesen Wertschätzung zu zeigen.“